Was ist eine Jahreslosung?

Was ist eine Jahreslosung?

Das war die Frage eines Kindes im Kindergottesdienst. „Die Jahreslosung ist ein Vers aus der Bibel“ antwortete ich. „Es gibt eine Gruppe von Christen, die alljährlich einen Bibelvers für das Jahr auswählen.“ „Und wozu braucht man den?“ war gleich die nächste Frage. „Ich denke, dass dieser Bibelvers viele Christen durch das Jahr begleitet und für sie so eine Art Überschrift dafür ist.“

Für das Jahr 2015 hat wurde als Jahreslosung ein Vers aus dem Römerbrief (15,7) gewählt:

Nehmt einander an,
wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.

Im Kindergottesdienst haben wir zu dieser Jahreslosung die Geschichte der Kindersegnung gehört. Sie ist ein Beispiel par excellence für das, was Paulus in seinem Brief an die Römer meint. Jesu Jünger wollten die Kinder von Jesus  fernhalten, sicher nicht nur, um ihm Ruhe zu verschaffen, sondern wohl auch, weil sie selbst der Meinung waren, dass Kinder nicht religionsmündig sind und deshalb nichts bei einem Rabbi zu suchen hatten. Aber Jesus wäre nicht Jesus -und das war für die Kindergottesdienstkinder sofort klar-, wenn er die Kinder nicht hätte sehen wollen.

Wir fragten uns, wo wir uns wohlfühlen, wen oder was wir gerne in unserer Nähe haben. Wir versuchten Fragen wie „Wo darf ich so sein, wie ich bin?“, „Wo muss ich funktionieren und mich zusammenreißen, damit es keine blöden Sprüche gibt?“ und „Kann ich andere in meiner Nähe tolerieren?“ zu beantworten. Im Gespräch ergab sich, dass die Kinder sich nicht selten als Ärgernis für andere sehen, aber gleichzeitig Orte haben, an denen sie sich nicht verstellen müssen und an denen sie so sein dürfen, wie sie sind. Es offenbart ihren Glauben an Gott und das damit verbundende Vertrauen, wenn sie den Kindergottesdienst als einen solchen Ort bezeichnen. Und genau das spiegelt Paulus mit „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat“ wider und erinnert daran, dass jeder wichtig und von Gott angenommen ist. In unserem Sprechgesang im Kindergottesdienst hieß es “... nicht nur unsere Freunde, nicht nur die Netten, auch die Dicken und Fetten, die Mageren und Hageren, die Großen und Kleinen, die Lauten und Leisen, die, die wir lieben und die, die wir hassen.“  

 

 

 

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