Kunstgeschichte

FotoFoto: Joachim Faber

 

Nach den programmatischen Vorstellungen um die Jahrhundertwende, wie sie im "Wiesbadener Programm" zum Ausdruck kamen, sollte die Raumgestaltung der Kirche den evangelischen Grundsatz vom allgemeinen Priestertum aller Glaubenden unterstreichen.

DesFotohalb wurde dem Rundbau der Vorzug gegeben: Die Feier des Abendmahls sollte sich inmitten der Gemeinde vollziehen. Der Altar wurde zum Mittelpunkt. Die Kanzel, als Ort der Predigt von Christus, wurde ebenso zentral hinter dem Altar angebracht.

 

 

 

 

 
© Bildarchiv Foto Marburg / Rose Hajdu


Für AuFotogen und Ohren der versammelten Gemeinde wurden auf diese Weise Altar, Kanzel sowie Orgel- und Sängerempore zentriert und organisch verbunden.

 

 

 

 



Foto: Bernd Hentschel   


Als Baumaterialien (Stein) fanden Verwendung:
Schwarzwälder Granit; roter, gelbgrauer und weißgelber Sandstein aus der Pfalz; gelber Tuff aus dem Rheinland für die Maßwerke der Rose und der großen Fenster; brauner Muschelkalk für Altar, Kanzelstock und Emporensäulen; weißer Marmor aus Carrara für den Bodenbelag des Altarraumes.

 

 

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Foto: Wolfgang Vögele

Zum Baustil schreiben die Architekten 1900:

Es war nicht beabsichtigt, die Kirche in einer bestimmten,
historisch festgelegten Stilrichtung durchzuführen,
sondern dieselbe auf gotischer Grundlage
aus dem Innern
und der Zweckmäßigkeit
heraus zu erbauen
und sie mit frischem
neuen Ornament zu schmücken
.

Während der vierjährigen Bauzeit wurde die noch rein gotische Ornamentik der ersten Entwürfe teils vereinfacht, teils in Richtung Jugendstil weiterentwickelt.

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Fotos: Wolfgang Vögele


Für alle Ornamente in Stein, Holz und Schmiedeeisen (Fialenspitzen, Friese, Eingangsgitter, die beiden Bronzekandelaber sowie die Bronzetüren) wurden stilisierte Naturdarstellungen, insbesondere das Motiv der Meeralge verwendet.

Die Stilwende um 1900 macht sich im Innern der Kirche etwa auch in der Darstellung des Kreuzes über dem Giebel der Kanzelwand bemerkbar, oder außen an den frei gestalteten Architekturplastiken.

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Fotos: Wolfgang Vögele

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Foto: Joachim Faber

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Fotos: Markus Mürle

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Foto: Joachim Faber


Weitere Kennzeichen dieses Stils sind die Bildreliefs, hervorrgehobene Dekorationspunkte wie die vier Ecktürme bei den Evangelistensymbolen, oder die drei Giebelstatuen - Moses, Paulus, Luther - über der Vorhalle des Haupteingangs.

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Fotos: Monika Heinlein

 

Die Altarplatte ruht auf zwei bronzenen Stützen,
die je zwei Evangelistensymbole darstellen.

Ebenfalls aus Bronze gegossen ist das Kanzelrelief:
"Einzug Jesu in Jerusalem".

  
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Detail Kanzelrelief


Neben der Kanzelnische mit Goldmosaik wird die Kanzelwand von zwei Sandsteinreliefs flankiert:
"Die Hirten an der Krippe" und "Die Frauen am leeren Grab".

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Foto: Oliver Reuther


So ergibt sich aus Gemeindeperspektive die Möglichkeit einer visuellen Lektüre des Evangeliums von Jesus Christus: Links die Weihnachtsgeschichte, in der Mitte oben das Kreuz, rechts die Ostergeschichte.
Die von diesen Stationen gerahmte Kanzel wiederum bietet die Möglichkeit, das Evangelium aktuell zu Gehör zu bringen.


Außen an der Nordwand befindet sich das Relief "Seepredigt". Die Modelle für die Bildhauerarbeiten in Stein stammen von W. Sauer bzw. H. Binz, die der Bronzearbeiten (Einschließlich der Kandelaber) von Prof. Dietsche, alle aus Karlsruhe. Das Wandbild im alten Konfirmandensaal (heute: Kapelle) wurde von Helmuth Eichrodt gestaltet.


Die großen farbigen Kirchenfenster über den Emporen stammen von Johann Albert Lüthi und wurden, soweit im Zweiten Weltkrieg beschädigt, im originalen Stil wiederhergestellt. Die Themenreihe im Westen zeigt von links: Moses' Gipfelerfahrung; der Prophet Elia auf dem feurigen Wagen; Jeremia vor den brennenden Trümmern Jerusalems.

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Fotos: Wolfgang Vögele

Im Osten: Jesus der Heiland der Kranken und Armen; Jesus der Kinderfreund; Jesus und die Samariterin.

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Fotos: Wolfgang Vögele


Die große Maßwerkrose über der Mittelempore erinnert an die Rosette des Straßburger Münsters. Sie ist 1950 von der Meisterklasse Prof. Erich Heckel an der Staatl. Akademie der bildenden Künste Karlsruhe einfühlend restauriert worden.

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Foto: Joachim Faber
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Fotos: Markus Mürle "Staub & Licht" · Foto: Architekturbüro Krebs, Innenrenovation 2009

Der Neckarsteinacher Künstler Valentin Peter Feuerstein entwarf beide Seitenfenster der Mittelempore. Anstelle von "Calvin" und "Zwingli" traten apokalyptische Themen: "Das himmlische Jerusalem" und "Das Weib und der Drache" (1973).

Die Themen der neuen Fenster neben dem Haupteingang lauten: "Siehe, ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe" (Mt. 10,11) und "Der sinkende Petrus", ebenfalls von Feuerstein (1975). Die Fenster unter den Emporen waren und blieben ornamental gestaltet.

Der ursprünglich große Bronzeleuchter mit Anklängen an mittelalterliche Radleuchter wurde im Krieg zerstört.

Der heutige Leuchter knüpft an die historisierenden Formen der Kirche an: Er bildet einen doppelwandigen Ring in Vierpassform. Er soll mit den vier großen und acht kleinen Türmen an das himmlische Jerusalem erinnern.
In den Wandungen des Ringes findet sich das besagte und mehrfach verwendete "Meeresalgen-Motiv".
Der Leuchter wurde von der Wiener Firma Zahn&Co hergestellt.

FotoFoto: Oliver Reuther



FotoDas Geläute bestand aus den Tönen B, des, e, g. Die Glocken mussten schon während des 1. Weltkrieges abgeliefert werden. 1953 wurden neue Glocken eingeweiht - 2004 kam die Friedensglocke hinzu.

Das heutige Geläute, der Größe nach geordnet:

I        Friedensglocke                                                          f0     (9160 kg)
II       Totenglocke (Christusglocke)                                     c1    (1730 kg)
III      Vorläuteglocke (Kreuzglocke)                                    d1    (1520 kg)
IV      Vater Unser - und Betglocke (Dreieinigkeitsglocke)     f1      (893 kg)
V       Trau- und Segensglocke (Heiliggeistglocke)               g1      (583 kg)
VI      Taufglocke (Lutherglocke)                                         a1      (450 kg)

 

Foto: Willy Künz


FotoÜber die Geschichte der Orgeln und die 2010 erneuerte Klais-Orgel können Sie sich hier informieren. Die zur Orgelfinanzierung durchgeführten Projekte der Gemeinde sind hier dokumentiert.

 

 

 

 

 






Literatur:

Christuskirche Karlsruhe (Hg.) (2000). 100 Jahre Christuskirche Karlsruhe 1900 – 2000. Karlsruhe.
Krimm, Konrad/Rössling, Wilfried/
Strebel, Ernst (1987). Curjel & Moser, Städtebauliche Akzente um 1900 in Karlsruhe. Karlsruhe.
Vögele, Wolfgang (2010). Karlsruhe Evangelische Christuskirche. Kleine Kunstführer. Regensburg.